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GRENZENLOS? Nicht mehr mit mir! 3 Tipps, wie auch du endlich "NEIN sagen" lernst

KENNST DU DAS?

 

Eine Kollegin fragt nach einem "kleinen Gefallen", die Schwiegermutter klagt, wie einsam sie sei, die beste Freundin hat Liebeskummer und der Ehepartner wünscht sich mehr Ordnung im Wohnbereich ... kurzum:

 

Die Erwartungen türmen sich wieder einmal auf ein neues Allzeithoch ...

 

Dabei gibt es augenscheinlich zwei Arten von Menschen, die sehr unterschiedlich mit derlei Erwartungs-Engpässen umgehen. Während die eine Hälfte auf das Klagelied der Schwiegermutter ein freundliches "Gerade haben wir auch echt wenig Zeit" erwidert und das Thema damit (vorerst) auf Eis legt, steigt in anderen das schlechte Gewissen auf. 

 

Es beginnt ein Dilemma, das sich häufig auf der Arbeit, im Freundkreis und in der Familie wiederholt. Dahinter verbirgt sich nicht selten ein Muster: Wir erfüllen Erwartungen, um einen der stärksten "inneren Antreiber" zu befriedigen, den es gibt. Er lautet:  "Mach es allen Recht". 

 

Doch was können wir tun, wenn wir wieder einmal fremdgesteuert durch unser Leben rotieren?!

 

Hier kommen 3 Tipps, die helfen, wieder die Regie im eigenen Leben zu übernehmen:

 

1. Höre aufmerksam zu, wann jemand WIRKLICH etwas von dir erwartet 

 

Lasst es uns drastisch ausdrücken: Die Wirklichkeit ist eine Illusion. Auf unserer Reise durch das Leben begegnen wir täglich unzähligen Menschen samt ihren vermeintlichen Erwartungen an uns. Wie wir sie und uns selbst wahrnehmen, bestimmt allein die Brille, die wir gerade tragen. Ähnlich ist es auch mit unseren Ohren. Nach dem Hamburger Psychologen Schulz von Thun gibt es 4 Schnäbel mit denen Menschen Botschaften senden und dazu passend 4 Ohren mit denen das Gegenüber ein und dieselbe Nachricht aufnehmen kann. Missverständnisse sind hier vorprogrammiert. Lediglich ein Kanal nennt sich "Appell-Ebene" und impliziert, dass unser Eingreifen gewollt ist. Darüber hinaus können Botschaften auch auf der Sachebene, der Beziehungsebene oder als Form der Selbstoffenbarung gesendet - und empfangen - werden. So wäre es auch denkbar, dass die einsame Schwiegermutter lediglich ihre Situation mitteilen möchte (Selbstoffenbarung) und keinesfalls von uns erwartet, dass sie mit in den Urlaub genommen wird. Und auch die Kollegin mit dem "kleinen Gefallen" (Sachebene) ist vielleicht mit einem Brainstorming zufrieden und benötigt darüber hinaus keine Unterstützung. Selbst der ordnungsliebende Ehepartner möchte vielleicht nur zum Ausdruck bringen, dass die gemeinsamen Zeit zu kurz kommt (Beziehungsebene). Überall "Appelle" wahrzunehmen sagt also vielmehr über unsere "Ohren" aus, als über den "Schnabel" unseres Gegenübers.

 

2. Erkenne, woher dein Wunsch kommt, es allen Recht zu machen 

 

Die Natur hat uns als soziale Wesen geformt, die nur dann bestehen können, wenn sie ihren Platz in einer Gruppe finden. Fiele es uns zu leicht, immer "Nein" zu sagen, ohne die Bedürfnisse der anderen wahrzunehmen, wäre das Fortbestehen der Spezies gefährdet. So haben Kinder von Haus aus den Wunsch, ihre Eltern zufrieden zu stellen und trainieren Empathie und damit die Fähigkeit sich auf andere einzustellen. Neben dieser Fähigkeit zur Bindung, steht jedoch auch die Autonomie als Fähigkeit, Grenzen zu setzen und eigene Bedürfnisse zu befriedigen auf der evolutionären Anleitung. Während einige im Elternhaus den Wechsel zwischen beiden Polen trainieren können, lernen andere Kinder eher, dass ihre Bedürfnisse bzw. ihre Autonomie unterdrückt werden. Diese Prägungen, die besonders in den ersten 6 Lebensjahren entstehen, steuern unser Handeln fortan unbewusst. Hier heißt es, als Glaubenssätze wie "Pass dich an", "Fall nicht auf" oder "Nimm dich nicht so wichtig" zu identifizieren und neue, funktionalere Sätze wie "Ich darf meinen eigenen Willen haben" oder "Ich bin es wert, mir Gehör zu schenken" zu ersetzen. 

 

3. Übe dich in SELBST-Wahrnehmung und trainiere dein "Trotz-Zentrum" 

 

Nein, es geht nicht darum mit dem Fuß zu stampfen, wenn der Chef um eine Präsentation bittet, die über die Arbeitszeit hinaus reicht. Doch ganz ohne das Gefühl von Ärger oder Wut kommen wir auch nicht in die Balance. Gefühle, die uns zeigen, dass eines unserer Bedürfnisse, z. B. nach Ruhe oder Selbstbestimmung gerade verletzt ist, sind vielen unangenehm. Doch wie sollen wir dann spüren, dass es Zeit ist, "Nein" zu sagen? Hier gilt es zu akzeptieren, dass Ärger oder Wut auch dazu da sind, Energie bereitzustellen, die wir brauchen, um klare Grenzen im Außen durchzusetzen. Unser Körper weist uns über Signale wie einen Knoten im Bauch, Verspannungen oder eine enge Brust meist darauf hin, dass unser Eingreifen notwendig ist. Unter Stress fällt es uns jedoch doppelt schwer, neue Muster einzuüben und so solltest du dir gezielt Situationen zum Nein-Sagen heraussuchen, die eher in den "Anfänger-Bereich" fallen und dein Trotz-Zentrum nur leicht aktivieren. Auf diese Weise wirst du immer besser darin, deine Bedürfnisse wahrzunehmen und Grenzen so zu setzen, dass es sich für dich stimmig anfühlt. 

 

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